2018 feierte Studio Neue Museen seinen 3-jährigen Geburtstag. Das ist sicher noch kein beachtliches Alter, wenn man Sigmund Freud oder den landläufigen Meinungen Glauben schenkt: Man steckt noch in den Kinderschuhen, weiß nicht viel von der Ernsthaftigkeit der Welt und ist mit einer unersättlichen Neugier und Entdeckerlust ausgestattet. Aber wie jeder Geburtstag gibt er Anlass, einen Schritt zurückzutreten, vom Treiben der Betriebsamkeit Distanz zu nehmen und auf das zu blicken, was man den lieben langen Tag so tut. Denn die letzten Jahre waren sehr tatkräftige Jahre, für uns, für die Museumslandschaft, die Kulturbranche, oder vielleicht für alle Branchen…?

Als Hannah Arendt 1950 die junge Bundesrepublik besuchte, notierte sie: »Beobachtet man die Deutschen, wie sie geschäftig durch die Ruinen ihrer tausendjährigen Geschichte stolpern, dann begreift man, dass die Geschäftigkeit ihre Hauptwaffe bei der Abwehr der Wirklichkeit geworden ist.« Fast 70 Jahre später hat sich an der politischen Situation einiges geändert und doch haben wir von unserer Geschäftigkeit nichts eingebüßt. Kontinuierlich setzen wir das fort, was wir gestern angefangen haben und morgen zu beenden hoffen. Da ist es manchmal ganz schön schwierig, sich die Entdeckerfreude zu bewahren.

Als Ausstellungsgestalter*innen planen und konzipieren wir tagtäglich mit einem wechselnden Team aus Kurator*innen und Wissenschaftler*innen Ausstellungen. Wir fragen, wie gesellschaftliche Verhältnisse im Museum reflektiert werden können, wie Geschichten und Schicksale erzählt oder technische Neuerungen im Ausstellungsraum erobert werden können.

Warum wir das tun? Weil wir an die Inszenierung glauben. Ausstellungen zu gestalten heißt, absichtsvolle und sinnliche Prozesse zu arrangieren, die vor einem Publikum (in diesem Fall den Besucher*innen) dargeboten werden. Das Spannende dabei: Die Anordnung und Anmutung der Objekte oder der Erzählungen hätte auch ganz anders ausfallen können. Wir wählen aus einer Vielzahl simultaner Möglichkeiten diese eine Form und schaffen so immer wieder eine Neuerfindung des Raumes – und damit auch eine Neuerfindung der Wirklichkeit. So gesehen behält Arendt recht: Unsere Geschäftigkeit, die Gestaltung, ist eine Waffe, nicht nur das sagen zu müssen, was der Fall ist, sondern der Wirklichkeit immer wieder aufs Neue eine Form geben zu können. Das macht sie überhaupt erst greifbar und erlebbar. So schreibt auch Otl Aicher 1991: »Die heutige Zivilisation ist eine vom Menschen gemachte und also entworfen. Die Qualität der Entwürfe ist die Qualität der Welt.«

In dieser Nullnummer möchten wir einige dieser Entwürfe vorstellen und Sie mit unserer Entdeckerlust anstecken: Kathrin Meyer geht mit Ihnen auf eine Spurensuche, die uns das menschliche Gesicht aufgibt, Susanne Feldmann zeigt in 23 Begriffen, was es in der neuen Dauerausstellung in Halle zu entdecken gibt, und Thomas Bauer-Friedrich erzählt, wie es ist, Gustav Klimt im Kunstmuseum Moritzburg anlässlich seines 100. Todestages ein rosa Gewand anzuziehen. Darüber hinaus gibt Cara Celine Schlenzig Einblick in den partizipativen Ausstellungsführer »p art«, der derzeit für Museen und Kunsthäuser entwickelt wird.

Wer unser MAG in den Händen halten sendet einfach eine E-Mail an studio@studioneuemuseen.com.